Motivation zum Lernen

Wer mit Freude lernt oder arbeitet, gilt als motiviert, und motiviertes Lernen führt zu Lernerfolg. Der Unterricht kann viel dazu beitragen, dass die Motivation zu lernen bei den Kindern steigt. Ausgangspunkt ist dabei nicht primär ein „motivierendes“ Thema oder eine „motivierende“ Geschichte, sondern in erster Linie Aufgabenstellungen, die für die Kinder mit Aussicht auf Erfolg lösbar sind. Wer Erfolge erlebt, auch wenn es nur kleine sind, bekommt Lust auf mehr.

1. Extrinsische und intrinsische Motivation


In der Lernpsychologie hat der Begriff der Motivation eine weitergefasste Bedeutung und steht für sämtliche Beweggründe, etwas zu tun oder zu lassen.

So verschieden diese Motivationen auch sind, es lassen sich grob zwei verschiedene Typen unterscheiden. Im einen Fall liegt der Beweggrund im Lerngegenstand selber, im anderen Fall liegt er ausserhalb des Lerngegenstandes. Intrinsisch motiviert ist eine Aktivität, wenn sie um ihrer selbst willen ausgeübt wird. Das setzt voraus, dass diese Tätigkeit als attraktiv und kontrollierbar erlebt wird. Wenn auf der anderen Seite eine Aktivität verordnet und fremdkontrolliert wird, ist sie extrinsisch motiviert. Allgemein gilt, dass intrinsische Motivationen auf die Dauer wirksamer sind als extrinsische. Aber: Eine Aktivität ist kaum je durch ein einziges Motiv begründet, und Motive können sich im Verlauf der Zeit ändern. Deutsch zu lernen kann für ein fremdsprachiges Kind unterschiedlich motiviert sein, das ist abhängig von der erlebten Attraktivität der damit verbundenen Möglichkeiten und auch davon, ob es die gestellten Anforderungen als erfüllbar betrachtet. Der Zwang, in der Schule einen gewissen Erfolg zu erreichen, kann damit ein extrinsisches, das Bedürfnis nach Geborgenheit und Verstandenwerden ein intrinsisches Motiv sein.

Aus welchem Grund ein Kind Sprachliches lernt, ist allerdings nicht einseitig extrin-sisch oder intrinsisch motiviert, vielmehr handelt es sich immer um eine Wechselwirkung zwischen den beiden Motivationstypen. Besucht ein Kind zum Beispiel den DaZ-Unterricht, dann fügt sich das Kind beim ersten Unterrichtsbesuch einem äusseren „Zwang“. Das Lernen im DaZ-Unterricht ist damit anfänglich extrinsisch motiviert. Erlebt das Kind im DaZ-Unterricht Lernerfolge, dann entwickelt sich eine intrinsische Motivation, diese Lernerfolge wieder zu erleben. Als Folge besucht das Kind den DaZ-Unterricht gern und es arbeitet eifrig mit. Es ist weitgehend intrinsisch motiviert. Im Regelunterricht geschieht Ähnliches. Eine Aktivität verläuft für die Kinder erfolgreich und die Kinder haben Freude daran. Die Folge ist, dass die Kinder diese Aktivität am liebsten endlos wiederholen wollen.

Gemäss deCharms (1998) lösen gute Aufgabenstellungen eine milde Form der Be-sessenheit aus. Eine gute Aufgabenstellung ist so gestaltet, dass sie Lernerfolg er-möglicht. Jeder Lernerfolg gibt Vertrauen in das eigene Können.

Die Grafik veranschaulicht die wechselwirkende Steigerung von Lernerfolg und Selbstbewusstsein.

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Lernmotivation.shtml

Der umgekehrte Prozess ist ebenfalls eine Wechselwirkung, jedoch zwischen Miss-erfolg und Vertrauensverlust.

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Lernmotivation.shtml

2. Motivierende Aufträge


Motivation im Unterricht entsteht nicht primär dadurch, dass motivierende Inhalte (Themen, Texte, Bilder usw.) gesucht und eingesetzt werden. Selbstverständlich müssen die Inhalte dem Alter und Entwicklungsstand der Kinder entsprechen und mit der Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder zu tun haben. Diese Voraussetzungen genügen allerdings nicht für ein motiviertes Lernen. Jeder Lerninhalt muss im Unterricht durch motivierende Aufgabenstellungen eingeführt und bearbeitet werden.

Motivierende Aufgabenstellungen stützen sich auf folgende Prinzipien:

  1. Die Lernenden erhalten bei der ersten Bearbeitung eines bestimmten Aufga-bentyps (z.B. eine Geschichte schreiben, einen Bericht verfassen, einen Vor-trag halten, ein Bild mündlich beschreiben usw.) eine starke Unterstützung durch kleinschrittige Aufgabenstellungen und sprachliche Mittel. Lesen Sie dazu auch unter Zweitsprachdidaktik: Vier didaktische Prinzipien - Scaffolding.
  2. Die Aufgabenstellungen sind so gestaltet, dass die Lernenden ab der ersten Aufgabe einen kleinen Teilerfolg erzielen. Ein noch so kleiner Teilerfolg schafft Optimismus und Selbstvertrauen für die nächstfolgende Aufgabe. Die Aufgaben lösen so „eine milde Form der Besessenheit“ aus.
  3. Die Vorgehensweise wird den Lernenden genau erklärt, evtl. während der Arbeit wiederholt. Sprachstarke Lernende können Aufgabenstellungen über-springen oder ganz auslassen, wenn sie den Auftrag (eine Geschichte schreiben, einen Vortrag halten usw.) auch ohne Unterstützung gut ausführen können.
  4. Der gleiche Aufgabentyp wird mit abnehmender Unterstützung mehrmals be-arbeitet. Es wird darauf geachtet, dass Elemente aus den vorhergehenden Unterstützungen zunehmend selbstständig eingesetzt werden.
  5. Nach mehrmaliger Bearbeitung eines Aufgabentyps sollten die Lernenden fähig sein, einen analogen Auftrag ohne Hilfestellungen zu lösen.

Die Aufgliederung eines Auftrags in kleinschrittige Aufgabenstellungen ist gleichsam der Schlüssel zum Lernerfolg und genau an diesem Punkt setzt jegliches didaktische Handeln an, das auf Lernerfolg abzielt. Das Entscheidende ist dabei die Art und Weise, wie die Aufgabenstellungen portioniert und formuliert sind. Motivierende Aufgabenstellungen leiten die Lernenden akribisch genau an, wie die sprachlichen Leistungen zu erbringen sind, und ermöglichen gleich mit der ersten Aufgabe einen kleinen Lernerfolg. Wer einen Auftrag erfolgreich gelöst hat, ist motiviert, einen analogen Auftrag zu lösen. Dabei werden aber immer weniger Hilfestellungen benötigt. Intrinsische Motivation kann demnach im Unterricht durch gute Aufgabenstellungen ausgelöst werden.

In HOPPLA wird der Art und Weise, wie die Aufgabenstellungen für die Kinder formuliert und portioniert werden, eine sehr grosse Bedeutung beigemessen. Im Kommentar ist für jeden Lerninhalt akribisch genau beschrieben, wie die Kinder schrittweise an den Lerngegenstand herangeführt und im Lernprozess begleitet werden können. So stellt der Kommentar gleichsam das Herzstück von HOPPLA dar. Praktisch alle Vorgehensweisen wurden im Unterricht erprobt. Das bedeutet aber nicht, dass die vorgeschlagenen Aktivitäten eins zu eins übernommen werden können. Jede Unterrichtsvorbereitung benötigt eine Anpassung der Inhalte und Vorgehensweisen an die spezifische Kindergruppe, an die Lernvoraussetzungen und an die äusseren Voraussetzungen, wie Klassenzimmer, Apparaturen, Material usw.

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Die folgenden Beispiele zeigen, wie die Kinder in HOPPLA schrittweise zum Endprodukt geführt werden. Dabei gelten die oben beschriebenen Prinzipien. Das Prinzip der Wiederholung und der abnehmenden Unterstützung bei ähnlichen Aufträgen ist besonders gut am Beispiel «eine Bildergeschichte schreiben» zu sehen.

Beispiel aus HOPPLA 1 Geschichten

Beispiel aus HOPPLA 2 Lieblingstier

Beispiel aus HOPPLA 3 Detektiv-Geschichten

Beispiele aus HOPPLA 4 Berichte

Beispiele aus HOPPLA 4 Bildergeschichte

3. Literaturhinweis


deCharms, Richard (2011): Motivation in der Klasse. Münster: Waxmann